Am Beispiel des Kulturraumes Burghölzli ( http://www.wwf-zh.ch/burghoelzli ) möchten wir Ihnen die Idee, den Garten als Trittsteinbiotop zu sehen, näher bringen. Wir werden Ihnen über diesen Kanal einfache Massnahmen vorstellen, die Sie in Ihrem Garten selber, oder mit unserer tatkräftigen Unterstützung, umsetzen können.

1k5Q8qKgCgwOlbeNPKrDt2tYwpl4S4Wgh-iXPSqHalw

Die Kulturlandschaft Burghölzli besteht aus dem Burghölzlihügel, dem Quartierhof Wynegg und einer Vielzahl von Gärten und Parkanlagen im Quartier Riesbach. Der WWF Zürich hat das Projekt ”Lebensraum Kulturlandschaft Burghölzli” initiiert. Das Ziel des Projektes ist die Erhaltung und Förderung der Biodiversität in diesem Gebiet. Als GartenbesitzerInn haben Sie die Möglichkeit, einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt zu leisten. Es braucht oft nur wenig Aufwand, um einen kleinen Beitrag zu leisten. Wichtig ist als erstes, Kampfstoffe wie Herbizide, Insektizide und Pflanzenschutzmittel aus Ihrem Garten zu verbannen. Eine nicht zu intensive Pflege ist für die Natur im Garten förderlich. Dazu gehört zum Beispiel das Liegenlassen von Laub über den Winter, denn darunter können etliche Tiere überwintern. Bei der Bepflanzung berücksichtigen Sie vermehrt wieder einheimische Wildpflanzen, die eine Nahrungsgrundlage sind für die einheimische Tierwelt. Im folgenden stellen wir Ihnen Maßnahmen vor, die Sie im Garten umsetzen können und die sehr wertvoll sind für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten.

 

STEINSTRUKTUREN

Trockenmauern

kCPcR8npaX6ISBgABVnG0ck4G9JgDGM7BnZI-HL7_yY,I2sLC67xZG5rAmG0wOZvk3hDQfMNFT9u-7ZDCHmWzkg

Trockenmauern sind eine optische und ökologische Bereicherung für den Garten. Sie können als Stützmauern an Terrassen und Hängen, zur Einfassung von Hochbeeten oder als freistehende Abgrenzung des Gartens gebaut werden. Erstellt werden sie aus Steinen unterschiedlicher Form und Grösse, welche bevorzugt aus der näheren Region stammen. Besonders gut geeignet sind südexponierte, sonnige Lagen. Die Mauerritzen werden von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten besiedelt. Typisch sind Mauereidechsen, die in den Mauern ein Zuhause finden, verschiedene Wildbienenarten (Mörtelbienen, Blattschneiderbienen), welche in den Spalten nisten und diverse Mauerpfefferarten, die mit ihren farbigen Blüten die Trockenmauer optisch noch zusätzlich aufwerten.

 

 

LOHreNbcQj0A0vuPAfF4O5ddVhKyAtvP7rssi1ky37o,UP0Dwt4DSTd0WMXx8br4KuRwo30BRh8a4cOMGJSZuTI xwB8tMh3rY5S2aNIAguPb2fMMFXfpWUJPuKn_CFzP8g

 

 

Lesesteinhaufen

cOYnqZuY8_luz0g5nHOsFWpe-biYDwzxN2RPZxEGjf0,t7qv0PoFf4rofFho6jUKMd6OrI-qtW7OO85q2FDfOOA

Lesesteinhaufen sind warme und sehr trockene Lebensräume. Durch ihre geschützten Hohlräume und Nischen bieten sie vielen Tieren Unterschlupf. Bevorzugt wird beim Erstellen des Haufens zuerst eine Mulde ausgehoben und ebenfalls mit Steinen gefüllt. So wird die Frostsicherheit erhöht, und der Steinhaufen kann Feuersalamandern, weiteren Amphibien und Eidechsen als Überwinterungsplatz dienen. Neben den faust- bis kopfgrossen Steinen können zwischendurch auch Holzstücke in den Haufen eingebaut werden.

EGZ_dMMA0l3uzvRCwg5SK0xzMHjV8cbDf0BvRX7JRoU -h2RI1pspzS3xgNpKAfBiwwrzAitobZskdvoTV4M-Vo

 

HOLZSTRUKTUREN

Asthaufen

AujN3Jntra09DzcEZ09jmX2Xv50NL4JJHSkzQ9YW24g,mlh4Pre5eo9t-pcg9BeKCYruiYPJMKAq4ZkcMa2DIio

Immer wieder fallen bei Gartenarbeiten dünnere und dickere Äste an. Anstatt diese zu entsorgen, kann man sie in einer Ecke des Gartens zu einem Asthaufen aufschichten. Die Äste können gut mit Schilf, Streu und trockenem Laub ergänzt werden. Solche Asthaufen bieten Unterschlupf für Igel, Hermeline, Zaunkönige und diverse Insektenarten. An sonnigen Stellen werden sie auch gerne von Eidechsen und Blindschleichen genutzt, im Halbschatten von Amphibien.

Sy281B43qkBRiwzmEIVyy3llffNa7H9L5H6ncihb_f8 HWNnS6W72KIC_axxehjjo3qSXxjUsVn6vgEaRdBu8No

Holzlager/Holzbeige

T9dQu4lo42Fr3sXjC4PYIX73H1qTPcE5qtGLACgU-Gs,7h81wjsDZXW0FJ7tKmcfCZ5OHxY4OjdLOUJTEGPnpNE

Für eine Holzbeige werden grössere Elemente verwendet als für den Asthaufen. Ein Holzlager kann aus Stämmen, Wurzelstöcken und dickeren Ästen erstellt werden. Zwischen diesen Holzelementen entstehen grössere Hohlräume, die zum Beispiel von Igeln genutzt werden. Mit der Zeit beginnt sich das Holz zu zersetzen und wird von verschiedenen attraktiven Pilz- und Käferarten besiedelt. Im Winter dienen Holzbeigen der Rauhautfledermaus als Überwinterungsplatz. Holzbeigen und Lager können ansprechende Gestaltungselemente im Garten darstellen und sollten über Jahre ste- henbleiben, im Gegensatz zu den Brennholzbeigen.

DmElV5oNsiXEnoSRTwhgabOTlQDMvCKd-AEMa0VGRHM wgio4Qe79lgM-NLW9l9mwG7R1_APgdvIop0gQfiTq70

 

Nisthilfen

rybTkVMbSA6oaIHhEL9tvo2OdU9j80tG2NoV7h-DydQ

 

Im Siedlungsraum herrscht ein Mangel an alten Bäumen mit Höhlen, welche von Vögeln und Fledermäusen als natürliche Nistplätze gebraucht würden. Mit dem Bereitstellen von Nistkästen kann diesem Mangel entgegengewirkt werden. Die Nistkästen sollten nach Südosten ausgerichtet sein, damit sie auf der vom Wetter abgewandten Seite hängen. Auch die Wildbienen kann man mit Nisthilfen unterstützen. Diese sogenannten „Wildbienenhotels“ sollten an möglichst sonnigen Stellen und vor Regen geschützt aufgestellt werden.

f6Hi4AyvPPcxMOkjitS-j-S-tNCnxuKp3Udy7F4HRhs dCNyFGcUAQPSo685YszZsH-3JN8AL8vEFvyu7NoN2A0

 

LEBENDSTRUKTUREN

Wildhecke

RakqR4eLirx1QKMiVAiZcuumKLmSrkQwdfcFUIf8xWY

 

(Foto: Marcel Meier)

Eine Wildhecke besteht aus verschiedenen einheimischen Straucharten. Sie kann beispielsweise als Sichtschutz gepflanzt werden. Über das ganze Jahr bietet eine solche Hecke verschiedensten Tierarten wichtige Überlebensgrundlagen. Im Frühling brüten darin diverse Vogelarten wie Amseln, Rot- kehlchen und Mönchsgrasmücken. Besonders gut geeignet sind dornige Sträucher, da diese einen guten Schutz vor Katzen bieten. An den Blüten der Sträucher sammeln verschiedenste Insekten Pollen und Nektar. Sehr wertvoll sind Weiden, da diese bereits sehr früh ihre Weidenkätzen öffnen und somit im frühen Frühling fast die einzige Nahrung für Honig- und Wildbienen darstellen. Ausserdem sind viele einheimische Sträucher Futterpflanzen von Schmetterlingsraupen wie zum Beispiel dem Zitronenfalter. Im Herbst und Winter sind die Beeren der Sträucher eine wichtige Nahrung für Vögel und Säugetiere. Je nach Platzverhältnissen und Strauchzusammensetzung kann eine Wildhecke freiwachsend oder auch regelmässig geschnitten angelegt werden.

cyGELFt_HFQemIW_c7EBx_9d6KxdTdp78TaCLLuc3c4 YyxeMSlroMI8tWG2Av6_EQysZMXch1h8D_zSkbTikMY

 

Ruderalfläche

_DQTu0Z3yKSJ1gKrzRU-LDVePVtvwOe7Zp1vyL1zp5Y

Ruderalflächen sind Trockenstandorte, auf denen spezialisierte und trockenheitsangepasste Pflanzenarten vorkommen. Sie werden meist mit Wandkies an sonnigen Standorten angelegt. Auf den Flächen gedeihen sehr spezielle und schöne Wildblumenarten, welche wiederum von Schmetterlingen und anderen spezialisierten Insektenarten besucht werden.

Foto21-23_28333_Reseda,Lein_CDG_richtigerSchnitt

 

Gartenteich/Feuchtstellen

983tQ-6gpdrsuZFqLeWwf90yxRgyHLQ5yKa8oC8vwhM,XLpwymvxZHWIjKug9sDWF7Tzrmf77EZtfG6E2RsM8x8

 

Wasser bringt Leben in den Garten! Mit dem Anlegen eines Gartenteichs oder einer kleineren Feuchtstelle wird nicht nur eine optische Bereicherung geschaffen, sondern auch ein Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Angefangen bei Erdkröten und Fröschen über Bergmolche und Ringelnattern bis zu den faszinierenden Libellen. Sowohl Ringelnattern als auch Libellen sind übrigens absolut ungefährlich: Ringelnattern sind weder giftig noch würden sie Menschen beissen, und Libellen haben keinen Stachel, mit dem sie stechen könnten. Für diverse Tiere wie z.B. für Vögel bietet eine solche Wasserstelle auch einen willkommenen Trink- und Badeplatz.

SuysWn0IgUHBTTOcn1x4XlLrcr_gBG443PDv3ZDD9iA,HCykDUezeMXVHugt5ILHDsPVIdwp4EUHIrWDTXYXATo CnPZF-UhFXyA9F-d0UhDXI3meSK0hcp1i6olHcQULLY

 

Blumenwiesenstreifen

liWTvEWzacseXg6HhCyuK_z3K75robT_x82l6A9Q0VM

Von einem Blumenwiesenstreifen profitieren etliche Tier- und Pflanzenarten. Die verschiedenen Blumenarten locken Wildbienen und Schmetterlinge in den Garten. Auch Heuschrecken fühlen sich darin sehr wohl. Diese Insekten sind dann die Nahrung für verschiedene Vogelarten. Ein Blumen- wiesenstreifen wird bevorzugt mit einer Samenmischung aus einheimischen Wildblumen eingesät. Je nach Licht- und Feuchtigkeitsverhälttnissen stehen verschiedene Samenmischungen zur Verfügung. Nicht zuletzt kann ein Blumenwiesenstreifen mit einem Rosenbeet durchaus mithalten und manchen Blumenstrauss bescheren.

p-p52NrOjUfQCT9ca5uDfPZR2tCrZqq9ZJ3oh61_rsM a9x_xQfe8XxWOew_1JsWYvdWN28mn5T4_Sqp0_BOHRY

Texte: Jonas Landolt
Fotos: Arno Gross (Kulturlandschaft Burghölzli), Jonas Landolt (Lesesteinhaufen), Hans-Peter Stutz (Fledermäuse), Marcel Meier (Wildhecke), Marcel Ruppen (Mönchsgrasmücke), Beatrix Mühlethaler (Ruderalfläche, Blumenwiesenstreifen), Christine Dobler Gross (alle übrigen Fotos)